Im Allgemeinen unterscheidet man verschiedene Geburtsphasen: die erste ist die Eröffnungsphase, dann kommt die eigentliche Geburtsphase (Austreibungsphase) und nach der Geburt die Nachgeburtsphase.

Die Dauer der Phasen ist bei jeder Geburt und bei jeder Frau unterschiedlich. Von meinen Klientinnen und aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass die gesamte Geburt zwischen 1,5 Stunden und 15 Stunden und länger dauern kann.


Welche Veränderungen bringen die einzelnen Phasen auf körperlicher und psychischer Ebene mit sich?


In der Eröffnungsphase verkürzt sich der Gebärmutterhals und der Muttermund öffnet sich auf 10cm. Die Geburtswellen (Wehen) dauern ca. 30 bis 60 Sekunden und treten alle 5 bis 20 Minuten auf. Zu Beginn oder auch erst kurz vor der Geburt des Babys kann sich die Fruchtblase öffnen und das Fruchtwasser tritt heraus.

Welche Gefühle erleben Frauen in dieser Phase? Die meisten Frauen spüren Aufregung und Freude, gemischt mit Erleichterung. Frau weiß nun, „jetzt geht es wirklich los“ und ist in freudiger Erwartung auf ihr Baby.



Während der Geburt erlebt die Frau einen veränderten psychischen Zustand, eine andere Erlebnisweise und zeigt auch bestimmte Verhaltensweisen. Diese Veränderungen beginnen meist in der Eröffnungsphase der Geburt.


Phyllis Klaus beschreibt folgende charakteristische psychologische Veränderungen („Laboring mind response“):

  1. Die rechte Gehirnhälfte ist stärker aktiviert. Dadurch nehmen das analytische Denken und die logische Argumentation ab. Die Gehirnfunktionen, die für analoges Denken, Kreativität, künstlerisches Tun und Intuition zuständig sind, sind aktiv.

  2. Der Bewusstseinszustand verändert sich zunehmend im Geburtsverlauf. Die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr nach innen, auf die Wellen und die Personen in der unmittelbaren Umgebung. Die Gebärende reagiert intuitiv und instinktiv. Es kann sogar vorkommen, dass sie vergisst, dass sie ein Baby zur Welt bringt, so als würde sie das Ziel der Wellentätigkeit vergessen.

  3. Im Geburtsverlauf verzerrt sich zunehmend die Wahrnehmung von Raum und Zeit. Die meisten Frauen haben kein Zeitgefühl mehr und die Zeit verläuft für sie schneller.

  4. Die Frau wird im Laufe der Geburt emotional empfindsamer und mitunter auch abhängig auf die Menschen, die die Geburt begleiten. Die Geburtsbegleiter können die Gebärenden dabei mit einem liebevollen und emotional nährenden Verhalten unterstützen.

  5. Während der Geburt ist die soziale Hemmschwelle bei Frauen herabgesetzt. Das ist ein Zeichen dafür, dass die „psychologische Entbindungsreaktion“ in Gang gesetzt wurde. Manche Frauen versuchen noch sich zu kontrollieren und darauf zu achten, wie sie auf andere wirken. Zunehmend wird es den Frauen aber egal, wer sie nackt sieht oder ihre Geräusche hört.

  6. Die Frau reagiert viel leichter auf direkte und indirekte Einflüsse in ihrer Umgebung. Zum Beispiel belasten kritische Bemerkungen, Spannungen und Störungen die Gebärende stark und haben einen negativen Effekt auf den Geburtsverlauf. Ermutigung, Lob und Unterstützung wirken hingegen positiv auf die Frau und den Verlauf der Entbindung.


Wenn sich der Gebärmutterhals vollständig verkürzt hat und sich weiterhin öffnet, kann das Baby beginnen, sich nach unten zu bewegen. Die Wellen kommen dabei in kürzeren Abständen und sind stärker. Es beginnt nun die eigentliche Geburtsphase. Die meisten Frauen sind erregt und spüren ein wenig Erleichterung, wenn sie erkennen, dass sie gleich ihr Kind gebären werden.

Das Köpfchen des Babys wird immer tiefer in die Vagina geschoben und passiert den Scheidenausgang. Das Kind erblickt das Licht der Welt!

Wenn das Baby dann auf der Brust der Mutter liegt, empfindet sie in der Regel ein sehr starkes Hochgefühl, Glück, Liebe und Verbundenheit mit ihrem Baby.



Einige Minuten nach der Geburt des Babys beginnt die Nachgeburtsphase, die ca. 10 bis 20 Minuten lang dauert. Die Plazenta löst sich und tritt hervor. Das Baby kann dabei bei der Mutter auf der Brust liegen bleiben und die Mutter kann das Bonding (das emotionale Band) zwischen sich und ihrem Baby aufbauen.

Erfahre mehr über das Bonding und den Beziehungsaufbau zwischen Eltern und Baby in meinen weiteren Blogbeiträgen „Bonding – so wichtig für Baby und Eltern“ und „Wie können Eltern eine gute Beziehung zu ihrem Baby aufbauen“.




Autorin:

Mag. Jacqueline Hauser, Psychologin und Energetikerin,

spezialisiert auf schwangere Frauen und junge Mütter




Quellenangaben:

HypnoBirthing. Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt. Von Marie F. Mongang.

Schwangerschaft, Geburt und Hypnose. Hypnoaktive Geburtsvorbereitung. Von Liz Lorenz-Wallacher.

https://www.netdoktor.at/schwangerschaft/geburtsphasen/

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